1996 entdeckten Forschende in Hershey, Pennsylvania etwas. Krebszellen verloren die Fähigkeit zur Ausbreitung, nachdem das menschliche Chromosom 6 eingebracht worden war. Sie nannten das für die Metastasenhemmung verantwortliche Gen KiSS1 – nach der lokalen Schoko-Süßigkeit „Hershey’s Kiss“. Dieser Namer war näher an der Genfunktion dran, als gedacht.

Wird KiSS1 exprimiert, wird das translatierte Protein in viele kleinere Peptide gespalten: die Kisspeptine (KPs). Diese Peptidhormone werden vor allem im Hypothalamus exprimiert, stimulieren die sexuelle Reifung und regulieren später die Fortpflanzungsfähigkeit.
KPs binden an einen G-Protein-gekoppelten Rezeptor. Die ausgelöste Signalkaskade bewirkt, dass Neuronen in der Hypophyse luteinisierendes und follikelstimulierendes Hormon freisetzen. Beide kurbeln die Produktion von Testosteron bei Männern und Östrogen bei Frauen an. Es folgt die Entwicklung von Eierfollikeln und Spermien und die Ausprägung äußerer Geschlechtsmerkmale – mit anderen Worten: die Pubertät.

2023 zeigte eine frühe klinische Studie zudem, dass eine einzige intravenöse Injektion von KP-10 positive Auswirkungen auf geringe Libido bei Frauen und Männern hatte.

Aber KPs haben noch mehr Funktionen. Wie erwähnt, können sie Tumorausbreitung durch Hemmung der Zellmotilität unterdrücken und sind bei Blutdruckregulierung und Nierenfunktion involviert. Ein sehr vielseitiger Kuss.

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