Wenn sich Volksglaube und Toxikologie überschneiden, findet man kaum ein so eindrucksvolles Beispiel wie die Erzählung des „Salamander-Brandy“. Die Besonderheit dieses Getränks soll darin bestanden haben, einen lebenden Salamander in ein Fass Branntwein zu legen, um dem Brandy eine angeblich „besondere Stärke“ zu verleihen. Was die Menschen dabei nicht wussten – oder vielleicht ignorierten: Salamander sondern hochwirksame Gifte ab, allen voran Samandarin, das alles andere als ein Geschmacksverstärker ist.
Samandarin gehört zur Gruppe der Oxazolidin-Derivate, genauer gesagt der Salamander-Alkaloide, einer Familie steroidbasierter Verbindungen, die von Arten wie dem Feuersalamander (Salamandra salamandra) und dem Alpensalamander (Salamandra atra) in den Ohrspeicheldrüsen produziert werden. Es handelt sich dabei um ein lipophiles Molekül, das die Zellmembranen mühelos durchdringen kann und somit auch rasch die Blut-Hirn-Schranke überwindet. Seine Hauptwirkung entfaltet es im zentralen Nervensystem, wo es als Konvulsivum wirkt – ein Gift, das Krämpfe und Lähmungen auslöst. Bereits geringe Dosierungen führen zu Atemlähmungen und damit zum Tod. Die mittlere letale Dosis (LD50) einer Maus beträgt 1,5 mg/kg bei Injektion unter die Haut und 0,3 mg/kg bei Injektion in die Bauchhöhle – zum Vergleich: die Gesamtmenge in einem Feuersalamander liegt zwischen 17 und 24 mg.