Wir Menschen haben uns schon immer gefragt, ob hinter der Art und Weise, wie Tiere kommunizieren, mehr stecken könnte. Eine mythische „Sprache der Tiere“ kommt in vielen Geschichten und Mythologien vor. Nun legt eine neue Studie nahe, dass dieser Glaube einen wahren Kern haben könnte.
Ein wichtiges Muster in der menschlichen Sprache ist das sogenannte „Zipfsche Gesetz“. Es beschreibt eine Tendenz in Sprachen, wonach das häufigste Wort etwa doppelt so oft vorkommt wie das zweithäufigste, dreimal so oft wie das dritthäufigste und so weiter. Bis vor kurzem ging man davon aus, dass diese Art von Struktur weitgehend einzigartig für den Menschen ist.
Eine neuere interdisziplinäre Studie über die Gesänge von Buckelwalen hat gezeigt, dass diese Meeresmelodien einer „zipfschen” Verteilung folgen. Die Forscher zerlegten die Gesänge aus jahrelangen Aufzeichnungen in grundlegende Klangeinheiten und verwendeten dabei ähnliche Techniken wie bei der Untersuchung, wie Babys Sprache lernen. Als sie diese Klangeinheiten nach ihrer Häufigkeit ordneten, zeigte sich ein klares zipfsches Muster: Einige wenige Laute kamen extrem häufig vor, während viele andere nur selten auftraten.
Diese Erkenntnis ist bedeutsam, da die Gesänge der Buckelwale nicht statisch sind. Sie werden sozial erlernt, zwischen Individuen weitergegeben und verändern sich im Laufe der Zeit allmählich. Das Vorhandensein einer Zipf-Verteilung deutet darauf hin, dass die Gesänge möglicherweise durch Faktoren beeinflusst werden, die das Erlernen und Behalten erleichtern - ähnlich wie bei der menschlichen Sprache. In diesem Sinne spiegeln die Gesänge der Wale möglicherweise allgemeine Prinzipien effizienter Kommunikation wider und sind nicht nur zufällige Geräusche oder einfacher Instinkt.
Allerdings ist nicht nachgewiesen, dass Walgesänge wie die menschliche Sprache Wörter oder bestimmte Bedeutungen transportieren. Sie gelten eher als Musik denn als Sprache. Dennoch stellt diese Entdeckung des Zipfschen Gesetzes alte Annahmen über die Kommunikation von Tieren in Frage und wirft neue Fragen darüber auf, wie sich komplexe vokale Systeme entwickeln. Letztendlich zeigt sie uns, dass sich bei sehr unterschiedlichen Spezies tiefe, gemeinsame Muster herausbilden können – manchmal an den unerwartetsten Stellen.